Prinzip

aktuelle Probleme

Widersprüche

Warum?

 

CCS steht für „Carbon Capture & Storage“ was soviel bedeutet wie „Kohlenstoff einfangen und lagern“. Bezeichnet wird damit eine neue Technologie, welche das bei der Verbrennung von Kohle anfallende CO2 abscheidet bevor es durch die Kühltürme entweicht und in flüssiger Form unterirdisch einlagert. Diese Technik wurde in den letzten Jahren in Deutschland vor allem von Vattenfall in Zusammenarbeit mit der BTU-Cottbus zur Laborreife gebracht. Dabei wird die Kohle unter reinem Sauerstoff verbrannt. Das dadurch entstehende sehr reine CO2 wird dann unter hohem Druck verflüssigt um dann schließlich zu den Lagerstädten transportiert zu werden. Damit wird das Treibhausgas nicht wie bisher in die Atmosphäre entlassen, was oberflächlich betrachtet einen positiven Effekt auf die klimatischen Entwicklungen hat.

„Heimat auf Zeit“ widmet der Thematik einen separaten Block um zu zeigen, dass das Verfahren sehr umstritten ist. Folgende Teilschritte sind zwar für die Anwendung im Labormaßstab gelöst, haben aber noch keine Umsetzmöglichkeit in der Praxis gefunden:

 

Abscheidung des CO2 im Kraftwerksmaßstab

Die Verbrennungskammer muss absolut luftdicht sein, damit der Sauerstoff auch rein bleibt. Trotzdem muss ein Zugang für die Kohle und Abluft für das CO2 bzw. die entstandene Asche vorhanden sein.

 

Transport

Die möglichen Lagerstätten, welche dem Druck eines flüssigen CO2-Sees standhalten können, sind weit über Deutschland verteilt und selten in der Nähe bestehender Kohlekraftwerke. Für die existierende Pilotanlage reichen Tankwagen aus. Für den großtechnischen Einsatz wird über Pipelines nachgedacht, in welchen das CO2 ähnlich wie Erdgas zur Endlagerung geleitet wird.

 

Lagerung

Die Lagerstätten müssen absolut dicht sein und das Gas unter hohem Druck für eine nicht bestimmte Zeit einschließen. Auch muss die Gefahr ausgeschlossen werden, dass Grundwasser dazu führt, dass sich unterirdisch Kohlensäure bildet und der Druck in kritischem Maße ansteigt. Es müssen Sicherungssysteme entwickelt werden, die im Falle einer plötzlichen Gasentweichung die Bevölkerung warnen. Da CO2 geruchs- und geschmacksneutral sowie schwerer als Luft ist, wäre ein unkontrolliertes Austreten verheerend für Mensch und Natur.

 

Akzeptanz

Gemeinden unter denen Lagerstätten sind müssen davon überzeugt werden, dass das Risiko für sie so gering wie nur möglich gehalten wird. Zudem wird die Produktion von CO2 für dieses Verfahren sogar leicht erhöht werden müssen. Dass das Gas für den Augenblick unter der Erde gepumpt wird, lässt es nicht verschwinden und Stimmen werden laut, dass wir ein Problem auf die nächste Generation verschieben. CO2 hat im Gegensatz zu Atommüll keine Halbwertzeit – es wird sich also nie selbstständig abbauen.

 

 

Es scheint fast so, als sei diese Technologie zu unausgereift und zu risikobehaftet, als dass sie zukunftsträchtig wäre. Interessant ist jedoch, dass beide Lager – die Kohlegegner und die Kohlebefürworter ihre Argumente nicht gegensätzlicher gestalten könnten. Während die Befürworter sich auf die Fahne schreiben, dass wirksamer Klimaschutz nur mit der Anwendung von CCS möglich ist, treibt dies in den Augen der Gegner den Klimawandel nur noch weiter voran. Man sollte meinen, dass bei solch deutlichen Widersprüchen unmöglich beide Parteien im Recht sein können. Doch wie so oft, kommt es auch hier auf den Blickwinkel an. Fakt ist, dass diese Technologie, falls sie die Serienreife erlangen sollte, eine Möglichkeit bietet preiswerten Strom mit existierender Technik weiter zu erzeugen, ohne dabei das schädliche Treibhausgas in die Atmosphäre zu entlassen. Dadurch können weitere Kohlekraftwerke gebaut werden, welche dann schon von Beginn an kaum noch CO2 produzieren. Auch kann diese Technologie exportiert werden und somit in anderen Teilen der Welt zum Einsatz kommen.

Die Kohlegegner bestreiten dies auch nicht. Sie sehen die Alternative jedoch im gänzlichen Verzicht auf Kohleverstromung. Damit wäre die CCS-Technologie überflüssig und CO2 würde weder in die Erde, noch in die Atmosphäre gepumpt werden. Angesichts dessen scheint die Antwort klar auf der Hand zu liegen – weg mit der Kohle und weg mit CCS. Dennoch bestätigt die Bundesregierung offen, dass sie dieser Technologie, welche noch mindestens bis 2020 in der Erprobung sein wird, mehr Vertrauen schenkt, als einem entsprechenden Einsatz erneuerbarer Energien (siehe „Heimat auf Zeit“).

 

Das daraus resultierende „Warum?“ kann und soll hier nur in Ansätzen beantwortet werden. Zum einen liegt ein großes Vertrauen in kommende Technologien, welche evtl. eine Endlagerung von CO2 nicht mehr notwenig machen. Dies wäre bei einer großtechnischen Nutzung bzw. Umwandlung des Gases der Fall. Beispielsweise wird heute schon CO2 in Erdöllagerstätten gepresst, um auch das restliche Öl herauszupressen. Des Weiteren kann Kohlestrom durch diese Technologie mittel- und langfristig für die breite Bevölkerung günstig bleiben, denn ohne Emissionen in die Atmosphäre müssen die Unternehmen keine teuren Ausgleichzertifikate von der EU kaufen. Jedoch gilt auch hier, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, weshalb auch ein Ausbau der erneuerbaren Energien auf europäischer/globaler Ebene einen deutlichen Einfluss auf Preisgestaltungen hätte.

 

„Heimat auf Zeit“ will diese Fragen jedoch nicht beantworten, sondern sie stellen und damit die Diskussion für eine Thematik anregen, die im trotz ihrer Allgegenwärtigkeit nur Wenigen als präsent wahrgenommen wird.